Home Hennef Projekttag zum 70. Jahrestag der Menschenrechte am Carl-Reuther-Berufskolleg in Hennef erwies sich für alle Teilnehmenden als voller Erfolg
Projekttag zum 70. Jahrestag der Menschenrechte am Carl-Reuther-Berufskolleg in Hennef erwies sich für alle Teilnehmenden als voller Erfolg Quelle: Evangelischer Kirchenkreis An Sieg und Rhein
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Projekttag zum 70. Jahrestag der Menschenrechte am Carl-Reuther-Berufskolleg in Hennef erwies sich für alle Teilnehmenden als voller Erfolg Quelle: Evangelischer Kirchenkreis An Sieg und Rhein

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„Einiges läuft schon sehr gut an unserem Berufskolleg, z.B. die Streitschlichter-Ausbildung und gute Angebote unseres sechsköpfigen „Take-Care“-Beratungsteams, die das Schulklima verbessern“, so Schulpfarrerin Eva Zoske, „aber so ein Projekttag sensibilisiert noch mehr.“ Daher engagierte sie sich dafür und lud viele Referenten zum Thema „Deine und meine Menschenwürde: Wie schützen wir sie?“ ein, um das Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten und Impulse für den Alltag zu geben. Der 19-jährige Schülersprecher, Jonas Stang, sah sich ein Angebot des Tages näher an. „Ich war als Schülersprecher zwar eingeweiht, trotzdem hat mich das Stück bewegt, denn es war sehr provokant und hatte einen großen Lerneffekt!“. Er hatte zusammen mit anderen Schülern und der Schulpfarrerin den Projekttag zum 70. Jahrestag der Menschenrechte vorbereitet. Insgesamt zwölf Schulklassen wurden in der benachbarten Aula des städtischen Gymnasiums mit fünf „Opfern und Tätern“ konfrontiert, die über ihre Erfahrungen mit Gewalt berichteten. „Einige Aussagen machten einen wütend, vor allem die vom Neonazi Lützek“, so Lorena Malmendier, 18 Jahre alt. Getarnt als “Berichte über Gewalt” sprachen sie viele Aspekte von Gewalt an und lüfteten erst am Ende, dass sie Schauspieler sind, die das Stück spielen, um ihr Publikum wachzurütteln. Das führte natürlich zu Erleichterung bei den Schülern, aber es blieb Betroffenheit übrig, „denn das, was sie erzählten, basierte ja auf realen Begebenheiten!“, so Lisa Maria Fichtler, 16 Jahre alt. Dieses Stück des politischen Kinder- und Jugendtheaters „Theatertill“ geschah im Rahmen des Projekttages zu „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ und wird sicher noch lange zum Nachdenken anregen. Ebenso wie die vielen anderen Angebote, die am selben Tag stattfanden.

„Der Workshop gegen rechte Parolen war so gut, weil wir selbst über uns und unsere Vorurteile nachgedacht haben“, so Johannes Schumacher, 17 Jahre alt. Andrea Eisele, Pädagogische Referentin der Evangelischen Erwachsenenbildung bot diesen Workshop an, zudem Caro Hesidenz von der Integrationsagentur der Kurdischen Gemeinschaft Bonn/Rhein-Sieg e.V. „Wir alle haben Vorurteile, das ist normal“, fügte der 20-jährige Raffael Merken hinzu „heute erhielten wir aber gute Ideen, wie wir damit besser umgehen können.“ Viele weitere Referenten beleuchteten die unterschiedlichen Facetten des Themas „Menschenwürde“. So auch der TV-Journalist und Produzent Udo Kilimann, der Schülern seinen Film „Waterberg. Völkermord an den Herero“ vorstellte, der dokumentiert, dass bereits 1904 deutsche Konzentrationslager errichtet wurden, lange vor Auschwitz, was viele Deutsche bis heute nicht wissen. Ehrenamtliche Helfer des Hospizvereins Lebenskreis e.V. berichteten über das würdevolle, selbstbestimmte Sterben, wiederum andere, warum sie sich für Amnesty International engagieren. Pfarrer Paul Zenner sprach mit Schülern über seine Arbeit mit behinderten Kindern- und Jugendlichen.

Der Redakteur Ralf Rohrmoser von Glasow war begeistert von der „Ernsthaftigkeit, mit der die jungen Menschen hier heute zusammenarbeiten.“ Er bot eine Schreibwerkstatt an, in der zehn Schüler, die als Flüchtlinge im Berufskolleg unterrichtet werden, in Partnerarbeit mit zehn angehenden Abiturienten des Beruflichen Gymnasiums für Technik ihre Erlebnisse aufschreiben konnten. Stephan Kolvenbach, Lehrer des Berufskollegs, war begeistert: „Beide Schülergruppen profitierten davon. Neben dem journalistischen Handwerkszeug lernten sie sich gegenseitig kennen, was im normalen Schulalltag gar nicht vorkommt.“ Viele andere Referenten bereicherten den Tag und am Ende war die Resonanz von Schülern und Kollegen so positiv, dass es jedes Jahr einen Projekttag geben wird.