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Naturschutzgebiet Naafbachtal – Unter Druck durch seine Beliebtheit
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Naturschutzgebiet Naafbachtal – Unter Druck durch seine Beliebtheit

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Idyllisch und gemächlich schlängelt sich der Naafbach, ein Zufluss der Agger, über knapp 23 Kilometer durch die Landschaft. Das naturnahe Mäandern des namensgebenden Flusses und seiner kleineren Nebenflüsse, wie beispielsweise dem Wenigerbach, verschafft dem Naafbachtal seinen ganz besonderen Reiz. Das ist auch der Grund, weshalb sich das Bachtalsystem mit Feuchtgrünlandflächen in der Aue, bachbegleitenden Erlen-Auenwäldern und Erlen-Ufergehölzen sowie ausgedehnten Buchenwäldern an den Talhängen, bei Erholungssuchenden großer Beliebtheit erfreut. Doch auch hier, wie in vielen anderen Naturschutzgebieten des Kreises, ist das ökologische Gleichgewicht fragil und bedarf der Achtsamkeit von allen Besucherinnen und Besuchern.

Das Naturschutzgebiet Naafbachtal besteht aus Naafbachtal und oberem Naafbachtal. Es erstreckt sich nordöstlich von Lohmar und südlich von Overath. Insgesamt umfasst das Gebiet eine Fläche von etwa 866 Hektar. Der größte Teil ist im kommunalen Raum des Stadtgebietes Lohmar verortet. Kleinere Teilgebiete gehören zu den Gemeinden Much und Neunkirchen-Seelscheid sowie der Stadt Overath aus dem benachbarten Rheinisch-Bergischen Kreis.

Kleine Teiche, Nasswiesen mit Quellfluren und binsenreiche Feuchtweiden sowie artenreiche, magere Weiden bilden ein abwechslungsreiches Grünland-Mosaik in den Tälern. An den teilweise steilen Hängen nehmen neben den Buchenwäldern, Eichen-Hainbuchenwälder, die häufig aus Niederwäldern hervorgegangen sind, den größten Flächenanteil ein.

Diese Vegetation bietet verschiedenen seltenen Vogelarten wie beispielsweise dem Eisvogel, dem Neuntöter, dem Grauspecht oder dem Rotmilan gute Lebensbedingungen. Der Bach ist Lebensraum für die Groppe und das Bachneunauge sowie Besatzbach im Rahmen des Wiedereinbürgerungsprogrammes für den Lachs.

Die Gegend ist landwirtschaftlich geprägt. Viele kleine Höfe, Weiler und Mühlen sorgen im Naafbachtal für eine beschauliche Atmosphäre. Seit 1982 wurde das Gebiet beidseitig des Naafbachs unter Naturschutz gestellt. Zuvor gab es immer wieder Befürchtungen der Einheimischen, dass eine vormals geplante Trinkwassertalsperre die natürliche Landschaft zerstören könnte. Im Jahr 1999 wurde das Gebiet als Bestandteil des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000 zum Fauna-Flora-Habitat-Gebiet (FFH) ernannt, wodurch der Schutz der dort angesiedelten Arten noch erhöht wurde.   

Landschaftsarchitekt Wolfgang Schuth ist in der Unteren Naturschutzbehörde des Rhein-Sieg-Kreises für das Naafbachtal zuständig und muss häufig Fehlverhalten bei Besucherinnen und Besuchern feststellen: „Leider kommt es immer wieder zu Störungen der Flora und Fauna. Wanderinnen und Wanderer, die abseits der Wege gehen, Radfahrerinnen und Radfahrer, die querfeldein fahren oder Hunde, die nicht angeleint sind, sind eine große Gefahr für viele Tiere. Sie sorgen mitunter dafür, dass die Gelege von Boden- und Gebüschbrütern zerstört werden oder dass Elterntiere ihre Brut ungeschützt zurücklassen. Auch Rehe und Hasen werden aufgescheucht und Kitze und Junghasen werden dadurch leichte Beute für andere Beutegreifer, wie Fuchs oder Marder.”

Durch die Kotabsetzung von Hunden und zurückgelassenen Müll wird das Biosystem dauerhaft gestört. Pflanzen werden durch Fußgängerinnen und Fußgänger zertrampelt, Mountainbiker sorgen mit ihren groben Stollenreifen für die Zerstörung artenreicher Vegetationen (z.B. in Glatthaferwiesen, Feucht-/Nasswiesen und Wäldern). Trampelpfade machen die bodenschützende Pflanzendecke kaputt, dadurch kommt es zur Ausbildung von Erosionsrinnen und Bodenabtrag. 

Wolfgang Schuths Appell, sich an die Regeln zu halten, richtet sich an alle Besucherinnen und Besucher des Naafbachtals: „Nur so wird es gelingen, diese einmalige Kulturlandschaft als europäisch bedeutsames Schutzgebiet für Pflanzen und Tiere und zur Erholung des Menschen in ihrer ganzen Schönheit und Vielfalt zu erhalten, um sich daran auch künftig erfreuen zu können. Denken Sie bitte immer dran: Natur geht vor – Unsere Landschaft braucht unseren Schutz!”

Quelle: Rhein-Sieg-Kreis