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„Man kommt sich wieder gebraucht vor“

„Man kommt sich wieder gebraucht vor“

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#RheinSiegKreis #Suchthilfe

Es sieht schlicht nach Arbeit aus in diesem Keller: Werkzeuge, Kehrbesen, der Besprechungstisch und die Spinde. Hier haben sie ihre Arbeitsschuhe deponiert. Werktag für Werktag ist der Raum der Suchthilfe der Diakonie An Sieg und Rhein in Troisdorf der Treffpunkt für die so genannten „Rhein-Sieg-Kreis-Feger“. Bis zu zehn Menschen mit Suchterkrankung finden in diesem Projekt eine Tagesstruktur. So heißt das jedenfalls in der Projektsprache. Eine der Teilnehmenden sagt es so: „Man kommt sich wieder gebraucht vor.“ Zuvor haben sie an manchen Tagen nichts gemacht. Jetzt stehe sie morgens auf, „es ist wie arbeiten gehen“. Und am Ende der freut sie sich aufs Wochenende. „Für mich ist das schön.“

Sie und die anderen Klient*innen greifen zum Besen, fegen, beseitigen Drogenkonsum-Utensilien. Bis zu zehn Schwerstabhängige sind „Rhein-Sieg-Kreis-Feger“. Das von der Suchthilfe organisierte Projekt finanziert der Rhein-Sieg-Kreis. Für das Arbeitsmarktprojekt stehen Mittel in Höhe von bis zu 100.000 Euro jährlich zur Verfügung, berichtet Fabian Fey, Abteilungsleiter Rechtsangelegenheiten, Fachaufsicht SGB XII, Krankenhilfe und Spezialaufgaben im Sozialamt des Rhein-Sieg-Kreises. So werden die Personalkosten der Sozialarbeiterstelle, Miete der Räumlichkeiten, Arbeitsausrüstung, Lebensmittel und die kleine Aufwandsentschädigung für die Teilnehmenden finanziert.

Es ist ein Arbeitsprojekt. Die Klient*innen arbeiten montags bis freitags. Die Arbeitstage sind gerahmt von einem gemeinsamen Frühstück und einem gemeinsamen Mittagessen. Die Orte, an denen die „Rhein-Sieg-Kreis-Feger“ unterwegs sind, werden mit Bauhof, Grünflächen- und Ordnungsamt abgesprochen. Es profitieren alle Seiten von dem Projekt: Das Erscheinungsbild der Innenstadt wird aufgewertet und die Klient*innen erhalten eine sinnvolle Aufgabe, die sie auch bewältigen können. Außerdem bekommen sie 1 Euro je geleistete Arbeitsstunde. Sozialarbeiter Philip Salgert leitet das Projekt. Er unterstützt auch bei individuellen Fragen, etwa zur Arbeitssuche, Wohnungssuche oder bei Anträgen auf Sozialleistungen.

Grundlage des Projekts ist der Beschluss des Ausschusses für Soziales, Gleichstellung und Integration des Rhein-Sieg-Kreises aus dem Jahre 2018, ein niedrigschwelliges Arbeitsmarktprojekt für Menschen aufzulegen, die wegen fehlender Erwerbsfähigkeit von Arbeitsagentur und Jobcenter nicht erreicht werden. Markenkern der Feger-Projekte, die es in den Städten Essen, Köln und Bonn bereits gibt, ist der Gedanke, Suchtkranken, die sich in der offenen Szene bewegen, ein niedrigschwelliges Angebot zur Tagesstrukturierung durch Arbeit zu machen. Feger-Projekte sind eine echte „Erfolgsgeschichte“, so Ulrike Schneider, Diplom-Verwaltungswirtin im Kreissozialamt. Das Troisdorfer Projekt litt in den Jahren 2020 und 2021 unter den Beschränkungen infolge der Corona-Pandemie. Während der Lockdown-Phasen war die Arbeit in der Gruppe nicht möglich. Aber der Kontakt wurde gehalten. Seit Januar 2022 sind die Rhein-Sieg-Kreis-Feger wieder im Einsatz.

Wie Jürgen Graff, der Leiter der Suchthilfe der Diakonie An Sieg und Rhein, erläutert, ist „Tagesstruktur“ für Schwerstabhängige immer ein Thema. „Da tat sich dieses Tor auf.“ Das Projekt Rhein-Sieg-Kreis-Feger gliedert sich ein in vielfältige niedrigschwellige Angebote der Suchthilfe. Klient*innen finden ja in der Troisdorfer Suchthilfe u.a. Krankenpflege, können etwas essen, einfach mal duschen. Für Jürgen Graff ist auch klar: Klient*innen möchten auch etwas zurückgeben. Und: Das Projekt stärkt den Selbstwert. Auch Sozialarbeiter Philip Salgert beobachtet, wie das Projekt Fähigkeiten aktiviert bzw. reaktiviert.

Web: diakonie-sieg-rhein.de/rhein-sieg-kreis-feger

FOTO: Fabian Fey (v. l.), Jürgen Graff, Philip Salgert, Klientin, Ulrike Schneider
Foto: Anna Neumann / diakonie-sieg-rhein.de

Quelle: Evangelischer Kirchenkreis An Sieg und Rhein