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Historische Apothekenumschau
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Historische Apothekenumschau

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Siegburg. “Apotheken bleiben offen!” ist ein dieser Tage häufig zu lesender Satz. Die Apotheken sind frequentiert wie nie, Atemschutzmasken und Desinfektionsbedarf sind Verkaufsrenner und kaum mehr zu bekommen.

Doch seit wann gibt es eigentlich Apotheken in Siegburg? Sehr lange. Die älteste Überlieferung datiert aus dem Jahr 1746, es ist ein Privileg des Abtes an einen gewissen Franz Xaver Keller, eine Apotheke in Siegburg “von neuem” zu errichten. Das heißt, dass es schon vorher Läden mit schmerzlindernden Warenangebot zu Füßen der Abtei gab. Gemeinhin gilt das Privileg als Geburtsstunde der bis heute bestehenden “Alten Apotheke” (Foto).

Sprung in die Franzosenzeit, ins frühe 19. Jahrhundert. Die Erlaubnis nutzt nun Josef Sybel, der Keller beerbt bzw. ihm die Erlaubnis abgekauft hat. Dieser Josef Sybel hält die Fahne seiner Profession in einer Zeit hoch, in der es von Scharlatanen, von “fremden Quacksalbern, medizinischen oder chirurgischen Pfuschern, ungarischen, thüringischen oder tyroler Thürakis- u. Olitäten Krämern”, nur so wimmelt. Ihnen wird offiziell der Eintritt ins Sieg-Departement verwehrt.

Just in dieser Zeit, man schreibt das Jahr 1810, bekommt Sybel mächtig Ärger. Der Cantonsarzt hat, weil in Waldbröl die damals verwendete Medizin gegen die sogenannte Nervenkrankheit (wahrscheinlich Fleckfieber) ausgeht, einen Boten nach Siegburg geschickt, um das Waldbröler Lager aufzufüllen. Sybel stellt sich quer, spricht vom begrenzten eigenen Vorrat, um dann, so berichtete jedenfalls der Gesandte, unter der Hand zu verstehen zu geben: Alles eine Frage des Preises …

Sybel muss sich vor Gericht verantworten, darf aber weitermachen. Zeitgleich – wie die genauen Zusammenhänge sind, wissen wir leider nicht – eröffnet ein Johann Heinrich Joseph Junkerstorff aus Köln in Siegburg die Löwenapotheke. Der Neuankömmling versucht fortan vieles, um der etablierten Apotheke zu schaden und die pharmazeutische Alleinherrschaft zu übernehmen. Nach Sybels Tod und der Übernahme der Geschäfte durch den Sohn im Jahr 1814 zweifelt er bei den Behörden dessen Befähigung an, Sybels Witwe spricht von “Habsucht und Brodneid” des Herausforderers. Junkerstorff ist außerdem der Meinung, eine Apotheke sei genug für das kleine Siegburg, das damals wohl nicht mehr als 2.500 Seelen beheimatet.
Doch wie ein Bumerang kommt es zurück. Bei der behördlichen Überprüfungen beider Läden zieht der Inhaber der Löwenapotheke den Kürzeren. Unter anderem fehlt ihm die Melisse. Sein “Extractum Chinae” hatte “weder Geschmack noch Geruch von China”. In der Alten Apotheke mit ihrem jungen Chef werden diese beiden Arzneien als “gut” und “sehr schön” beschrieben.

Junkerstorff wird vorgeworfen, aus seinem Labor eine Küche gemacht zu haben, was er mit den Einquartierungen von Truppen im Kriege rechtfertigt. Die Revisoren hätten außerdem, so sein Lamento, “auf’s strengste und sogar, da man mit guten Augen nichts zu entdecken im Stande war, durch Vergrößerungsgläser untersucht”. Am 1. Januar 1837 bezieht Junkerstorff das Haus Nr. 32 “Im Steinweg” am oberen Markt, also genau das Gebäude, in dem die Löwenapotheke bis 2010 existierte. Ironie der Geschichte: Just in diesem Haus bot im 18. Jahrhundert Franz Xaver Keller seine Heilmittel feil.

Wer den Apotheken-Dualismus nachlesen will: In den Heimatblättern Nr. 70 und 71, Juli 1955 und Juli 1956, hat Dr. Rudolf Schmitz die Geschichte der Gesundmacher aufgeschrieben. Die Hefte sind im Stadtarchiv erhältlich.

Quelle: Kreisstadt Siegburg