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Ein Leben für die Feuerwehr
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Ein Leben für die Feuerwehr

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Die Ehrenabteilung begrüßt Michael “Migo” Meyer

Siegburg. “Wenn der Pieper ging, dann bin ich gefahren. Egal, ob ich im Kino saß, mit meiner Frau ein Regal aufbaute oder im Tiefschlaf im Bett lag.” Sagt Michael Meyer, der auf fast ein halbes Jahrhundert bei der Siegburger Feuerwehr zurückblickt. “Die Feuerwehr war mein Leben!”

Dieses Leben beginnt am 1. Januar 1973. Wenige Tage nach seinem 13. Geburtstag tritt der gebürtige Hohenlimburger, seit wenigen Jahren in Siegburg lebend, der Jugendfeuerwehr bei. Mit der Vollendung seines 16. Lebensjahrs, am 5. Dezember 1976, wird er Teil der Löschgruppe Wolsdorf, “meiner zweiten Familie. Der bin ich bis zum Schluss treu geblieben.” Schluss? Zu seinem 60. Geburtstag wurde Meyer in die Ehrenabteilung aufgenommen. Damit endet der “aktive Dienst”, bei Einsätzen ist “Migo”, wie ihn seine Kameraden nennen, nicht mehr dabei. Doch seiner Löschgruppe, der er anderthalb Jahrzehnte vorstand, bleibt er erhalten, nimmt weiter an den Übungen teil.

Wenn Meyer auf seine Jahre bei der Feuerwehr zurückblickt, so erscheinen ihm viele der ungezählten Einsätze – “an manchen Tagen bin ich drei Mal raus, manchmal hatten wir nur eine Fahrt im Monat” – wie ein Film. Doch einmal funktioniert dieser “Selbstschutz” nicht. In den frühen Morgenstunden des 15. Juni 1993 steht die Obdachlosenunterkunft in der Kastanienstraße in Flammen. Meyer gehört zum Innenangriffstrupp, findet fünf der sechs Menschen, die durch das von einem Bewohner gelegte Feuer sterben. “Daran habe ich lange zu knabbern gehabt, auch wegen des sich daran anschließenden Medienrummels.”

Doch sein Spezialgebiet war nie der Kampf gegen die Flammen. “Der ABC-Bereich, das war mein Ding”, erzählt Meyer. Der “GW Mess”, der Gerätewagen mit der Messausrüstung zur Ermittlung atomarer, biologischer und chemischer Gefahrenstoffe, zuständig für den gesamten Rhein-Sieg-Kreis, stand zwei Jahrzehnte unter seinem Kommando.

Hat sich in den mehr als vier Jahrzehnten etwas am “Hobby Feuerwehr” geändert? “Der technische Anspruch ist viel höher geworden”, antwortet er ohne zu zögern. “Wer Technik mag, ist bei der Feuerwehr richtig aufgehoben!” Und was ist mit der Respektlosigkeit gegenüber Helfern, die heute oft Thema in den Medien ist? “Die hat es schon immer gegeben. Aber auch ganz viel Hilfsbereitschaft. Oft kommen Nachbarn nachts raus, wenn wir stundenlang im Einsatz sind, und bieten uns Kaffee an.” Damit ist Meyer bei einem weiteren Thema, das ihm auf dem Herzen liegt. “In Deutschland wird es von vielen als selbstverständlich hingenommen, dass wir da sind und Menschen, Tiere oder Werte retten.” In Siegburg hat sich dies aus seiner Wahrnehmung heraus mit dem Brand an der ICE-Trasse auf dem Brückberg im Hitzesommer 2018 geändert. “Aber von portugiesischen Verhältnissen, wo Feuerwehrleute fast Heldenstatus haben, sind wir noch weit entfernt”, scherzt der Mann, der sich auch aktiv für die Partnerschaft mit den Bombeiros in Guarda eingesetzt hat.

Meyer zeigt sich besorgt, ob die Feuerwehr auch in Zukunft immer rechtzeitig zur Stelle sein wird. “Die Zahl der Aktiven ist in den letzten Jahren schleichend zurückgegangen.” Mut macht ihm die erfolgreiche Nachwuchsarbeit. “Die Jugendfeuerwehr ist das A und O”, sagt er, “knapp 80 Prozent unserer Aktiven stammen aus diesem Pool.”

Zum Abschluss des Interviews möchte Meyer noch ein “persönliches Anliegen” loswerden. “Das Ganze konnte ich nur mit der Hilfe und dem Verständnis meiner Frau machen. Wenn die Frau nicht mitspielt, verliert die Feuerwehr einen Feuerwehrmann”, bedankt er sich nicht nur bei seiner eigenen Gattin, sondern auch den Partnerinnen seiner Kameraden. Scherzhaft appelliert er: “Wir brauchen viel mehr Frauen, die ihren Mann zu uns schicken, wenn dieser sich mal wieder einen gemütlichen Abend im Fernsehsesel machen möchte!”

Quelle: Siegburgaktuell