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Dunkle Seite des Karnevals
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Dunkle Seite des Karnevals

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Siegburg. Mit Rassismus im Karneval und seiner Historie beschäftigt sich der sehr lesenswerte Aufsatz von Gabriele Dafft in der aktuellen LVR-Broschüre “Alltag im Rheinland”. Unter der Überschrift “Korrekte Kostüme?” greift Dafft den Hang zu Baströckchen, Körperdeko aus Bananen und schuhcremeschwarzem Gesicht auf. Die Ureinwohner-Maskerade war von der Nachkriegszeit bis in die 1980er Jahre auf närrischen Events stark vertreten. Im Bild ein Beispiel vom Mayener Rosenmontagszug in den 70ern.

Was genau ist an diesen Aufzügen zu kritisieren? Sie nehmen Stereotype der Kolonialzeit auf, die Jahrhunderte zurückreichen und von den europäischen Eroberern und Unterdrückern geprägt wurden, schreiben sie fort. Stichwort “Blackfacing”: Das Anmalen des Gesichts zu Belustigungszwecken stammt aus den Vereinigten Staaten, wo im 19. Jahrhundert geschminkte Schauspieler devot-fröhliche Schwarze mimten. Autorin Dafft erklärt: “Dies diente der Unterhaltung von Weißen und implizierte eine Legitimationsstrategie: Die brutale Ausbeutung der Sklaven auf den Plantagen ließ sich so vor weißem Publikum rechtfertigen, die lustigen Shows verschleierten die Lebenswirklichkeit von Menschen mit schwarzer Hautfarbe.”

Heute gehören die allzu platten und herabwürdigenden Verkleidungen zum Glück der Vergangenheit an. Länderkostüme boomen nach wie vor. Manch ein Klischee führt zu hitzigen Diskussionen. Wenn, wie 2019 geschehen, ein Frechener Karnevalssausstatter das Modell “Afrikanische Dame” bewirbt und auf Beschreibungen wie “animalischer Raubtierlook”, “wild, sexy und unbezähmbar” setzt, liegt Rassismus sehr deutlich in der Luft.

Die Wissenschaftlerin konstatiert eine Bevölkerungswut auf diejenigen, die im Fasteleer den moralischen Zeigefinger heben. Die Erregung gegen das Besserwissen und Reglementieren speist sich aus der Verletzung der karnevalistischen Seele. Denn: Sind die tollen Tage nicht dazu da, Korrektheit, auch die politische, für eine begrenzte Zeit über Bord zu werfen? Was ist mit der Ventilfunktion?

Die Debatte über das “Go” und “No-Go” im Fastelovend spiegelt laut Dafft unseren gesellschaftlichen Status quo. Deutschland, spätestens 2015 für alle sichtbar zum Einwanderungsland geworden, sei im dynamischen Prozess der Selbstfindung und Neuorientierung. Wenn es also “knirscht im sozialen Gefüge”, sickern die Konflikte an die “Oberfläche aus Frohsinn, Kamelle und Kostümen”. “Dann wird eine Diskussion um Karnevalskostüme plötzlich zur Folie für die Frage, wie man mit Minderheiten umgeht und sich gegenüber Fremden und dem Fremden verhält.”

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Quelle: Kreisstadt Siegburg