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Das Für und Wider der Freitagsdemos
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Das Für und Wider der Freitagsdemos

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Siegburg. 2019 wird in die Geschichte eingehen als das Fridays-for-Future-Jahr. Die Erderwärmung und unser zaghaftes Gegensteuern erhitzen die Gemüter. Die Jugend geht auf die Straße, Eltern wundern sich. Oder gehen mit. Der von Greta initiierte Schulstreik fürs Klima wird heiß diskutiert. In der Ausgabe 1/2019 von “Anno aktuell”, der Schulzeitung des Gymnasiums, duellieren sich Schüler und Fridays-Gänger Jonas Pütz und Konrektor Joachim Schneider argumentativ, bringen alles auf den Tisch, was die Republik bewegt.
Beginnen wir mit dem Schüler. Pütz ist nicht erstaunt über das “rasante Wachstum” der Bewegung, schließlich gehe es um das Überleben der Menschheit: “Wir befinden uns im Beginn des 6. Massenaussterbens in der Erdgeschichte.” Vor diesem Hintergrund, so Pütz, sei die Kritik an streikenden Schülerinnen und Schülern “vollkommen lächerlich”. Dann wird’s politisch. Pütz: “Man hat unsere Generation oft unpolitisch genannt, und das hatte auch durchaus gute Gründe. Diese Gründe liegen aber nicht an unserer Generation selbst, sondern an einer Parteipolitik, die den Menschen oft nicht zuhört und immer weniger das tut, was sie verspricht. Mit Fridays for Future habe sich das geändert. Schwänzer sind für Pütz diejenigen, die nicht streiken, um etwas zu verändern. “Wenn sich nichts verändert, wird es bald nichts mehr geben, was sich verändern kann.”
Joachim “Jogi” Schneider begrüßt den Einsatz der Schüler für den Planeten. “Das Kontra bezieht sich natürlich nicht auf die Ziele der Demonstrationen: Diese kann man nur gutheißen.” Schneider kritisiert jedoch den “Eventcharakter” der Veranstaltungen und führt an: “Das nicht ganz von der Hand zu weisende Argument, dass es einigen mehr um den Unterrichtsausfall als um die Sache geht, wäre einfacher zu entkräften, wenn man auch in der unterrichtsfreien Zeit für seine Ziele demonstrieren würde.”
Geht es nach Schneider, könnten die Schüler selbst eine Menge Gutes fürs Klima tun. Stichwort Internet: Der Naturwissenschaftler rechnet vor, dass für die digitale Welt allein in Deutschland pro Jahr 55 Terawattstunden verbraucht werden, was der Leistung von zehn mittleren Kraftwerken entspricht. “Es wäre sehr viel gewonnen, wenn unsere Schülerinnen und Schüler zumindest in der Schule auf ihr geliebtes Handy verzichten würden.” Stichwort Vermüllung der Umwelt: Schneider beklagt den sehr schleppenden Verkauf der Mehrwegbecher im Anno-Bistro (bis Redaktionsschluss von “Anno aktuell” wurden nur deren drei verkauft!), stellt heraus, wie das Luftballonsteigenlassen zur Abifeier oder die Einwegerfrischung im Meckes den Fridays-Bemühungen zuwiderlaufen. Und warum sollten Abiturienten nicht, so Schneider, einen Fahrrad- und keinen Autokorso durchführen? “Die Protestierenden sollten sich klar sein, dass sie in der Menschheitsgeschichte die Jugend sind, die mit Abstand die meiste Energie verbraucht. Die Zukunft retten – ja. Aber anfangen muss jeder bei sich selbst!”
Foto (Michael A. Schmiedel): Fridays for Future am Schulzentrum Neuenhof.

Quelle: Stadt Siegburg