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Angst vor Spritzen
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Angst vor Spritzen

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#Bonn #UKB

Universitätsklinikum Bonn behandelt Kinder und junge Erwachsene nach Bonner Stufenkonzept

Beim Anblick einer Spritze haben die meisten Menschen ein mulmiges Gefühl, was völlig normal ist. Doch es gibt auch Menschen, die unter einer handfesten Spritzenangst leiden, auch Trypanophobie (griech.: Furcht vor dem Bohrer) genannt. Eine Impfung, eine medikamentöse Therapie oder Diagnostikmaßnahmen wie Endoskopie oder MRT sind bei den Betroffenen daher oftmals sehr schwer durchzuführen. Um die Behandlung von Kindern und jungen Erwachsenen mit Spritzenangst möglichst angenehm zu gestalten, hat das Universitätsklinikum Bonn (UKB) ein Stufenkonzept entwickelt und wendet es erfolgreich an.

Die Hände zittern, das Herz rast, der Kreislauf versagt. Bei einigen Menschen ist die Angst vor Spritzen so stark ausgeprägt, dass sie gar ohnmächtig werden können oder vor lauter Schock erstarren. Gerade chronisch kranke Kinder, teils mit langen Aufenthalten auf Intensivstationen, machen in ihrem Leben häufig unangenehme Erfahrungen mit Blutentnahmen, Anlage von Zugängen und natürlich auch komplexeren Behandlungen. Viele erleben dabei Angst und/oder Schmerz. Ein kleiner Prozentsatz von ihnen entwickelt teils schwere Blut-, Spritzen- und/oder Verletzungsphobien. Aber auch ohne vorangegangene Behandlungen kann allein die Vorstellung einer Spritze Ängste auslösen. Gerade in den Covid-Jahren hat das ärztliche und pflegerische Personal des Eltern-Kind-Zentrums (ELKI) am UKB häufiger Kinder und Jugendliche gesehen, die den Wunsch nach einer Covid-Impfung hatten, diese aufgrund ihrer Ängste aber nicht auf konventionelle Art bekommen konnten.

Prof. Ehrenfried Schindler, Leiter der Sektion Kinderanästhesie im ELKI, und sein Team haben aber eine mögliche Lösung gefunden: „Wir haben einigen dieser Patienten im Rahmen eines von uns entwickelten Stufenkonzeptes helfen können. Es geht dabei keinesfalls um die langfristige psychologische oder psychiatrische Behandlung, wohl aber um die akute Intervention im Rahmen einer kurzfristigen Blutentnahme, Impfung, Sedierung zur Diagnostik (z. B. CT oder MRT) oder auch operativen Maßnahmen.

Positive Resonanz von Ärzten und Patienten

Im Rahmen des Bonner Stufenkonzepts werden zunächst die Patienten und deren Sorgeberechtigte zu einem Gespräch eingeladen. In diesem Gespräch eruieren die behandelnden Ärzt*innen die benötigten Behandlungsmaßnahmen und besprechen den genauen Ablauf. „Gleichzeitig versuchen wir das Ausmaß der Angststörung abzuschätzen. Besonders wichtig ist, dass der organisatorische Ablauf am Tag der Intervention ohne Wartezeiten abläuft. Daher ist die enge Abstimmung mit allen Prozessbeteiligten unbedingt erforderlich“, führt Prof. Schindler aus. Wenn es zweckmäßig erscheint, können Patientinnen und Patienten mit deren Angehörigen einen kleinen Rundgang im ELKI machen und sich den Aufwachraum, ein Narkosegerät, Gesichtsmasken sowie Schlauchsysteme usw. anschauen. Das Ziel ist es, der Patientin oder dem Patienten den geplanten Ablauf stressfrei zu zeigen. Ein weiterer Baustein ist die Applikation von der so genannten EMLA-Salbe. Prof. Schindler erläutert: „Wir zeigen den Kindern je nach Alter, wohin die Pflaster geklebt werden müssen und geben diese den Eltern oder/und Patienten mit. Je nach Alter empfehlen wir dann ein Beruhigungsmittel, das sie am Tag der Intervention bereits vor der Fahrt zum UKB einnehmen sollen. Zudem erläutern wir einfache, aber sehr effektive
Entspannungsübungen.“ Nach administrativer Aufnahme melden sich die Sorgeberechtigten beim pflegerischen oder beim ärztlichen Personal, das die Patienten in den Aufwachraum geleitet. Dort erfolgt bei Bedarf eine weitere Sedierung z. B. mit Dexmedetomidin durch die Nase. Nach etwa 15 Minuten gelingt entweder die geplante Intervention oder die Sedierung wird mit inhalativer Anästhesie vertieft. In sehr schweren Verlaufsformen wird der Patient kontinuierlich mit Propofol bis zum Ende der Intervention/OP/Diagnostik sediert.

Prof. Schindler resümiert: „Wir sammeln noch Erfahrungen mit diesem Konzept und denken, dass die Anästhesiologie hier gemeinsam mit den behandelnden Kinderärzt*Innen einen wichtigen Beitrag in der Behandlung spezieller Patientengruppen leisten kann. Das zeigen bereits viele erfolgreiche Fälle im ELKI. Unser Konzept haben wir ebenfalls mit den Kinder- und Jugendärzten und -ärztinnen aus Bonn und aus dem Rhein-Sieg-Kreis besprochen. Die Resonanz war durchgehend positiv.“

Quelle: Universitätsklinikum Bonn

Bild: Am Universitätsklinikum Bonn entwickelte das Team um Prof. Ehrenfried Schindler ein Konzept, das erlaubt, Kinder und junge Erwachsene mit Spritzenangst schonend und stressreduziert zu behandeln. Foto: Universitätsklinikum Bonn/K. Wislsperger