Machen Sie Ihr Team erfolgreich durch emotionale Intelligenz
Peter Caleb
Aktuelle Forschungsergebnisse zum Thema Teamwork zeigen: Die Leistungsfähigkeit einer Gruppe basiert, neben den fachlichen Fähigkeiten, im Wesentlichen auf drei Voraussetzungen:
Das Vertrauen zwischen den Gruppenmitgliedern,
die Identifikation der einzelnen Mitglieder mit den Zielen und Regeln des Teams,
der Glaube des Einzelnen an das Leistungsvermögen seiner Gruppe.
Zur Schaffung dieser Voraussetzungen benötigt ein Team emotionale Intelligenz. Was bei Managern schon längst zum „Handwerkszeug“ gehört, soll nun auch für Teams gelten. Doch selbst wenn Sie emotional intelligente Mitarbeiter zu einem Team zusammenschließen, ist der Erfolg noch nicht garantiert. Emotionale Intelligenz funktioniert in Gruppen anders als bei Einzelpersonen. Gemeinsame Forschungsprojekte der Case Western Reserve University in Cleveland und dem Marist College in Poughkeepsie, New York, brachten dazu folgendes Ergebnis:
1. Ein Team muß auf drei Gefühlsebenen emotional intelligent handeln:
2. Gefühle der einzelnen Mitglieder
3. Stimmungen im Team
4. Gefühle anderer Gruppen oder außenstehender Personen.
Offiziell festgelegte oder mit der Zeit eingespielte Verhaltensmuster erleichtern den Einsatz emotionaler Intelligenz in der Gruppe. Es gibt mehrere Möglichkeiten, solche Verhaltensmuster zu installieren.
Als Teamleiter können Sie das gewünschte Verhalten konsequent vorleben. Einige Normen sollten Sie gemeinsam erarbeiten und für alle gültig festschreiben. Es kommt immer wieder vor, dass einzelne Teammitglieder durch ihr Verhalten bestimmte Normen in der Gruppe einführen. Oder ein externer Trainer trimmt das Team auf emotionale Intelligenz.
Egal, welchen Weg Sie wählen: Sorgen Sie dafür, dass Verhaltensnormen und Regeln befolgt werden, die den Umgang mit Emotionen erleichtern. Dafür geben wir Ihnen im Folgenden Ideen, Anregungen und Beispiele.
Die Individuelle Ebene: das Team und die Gefühle des Einzelnen. Sobald ein Teammitglied nicht auf der Wellenlänge der anderen „mitschwimmt“, kann es zu einer erheblichen Leistungsminderung der Gruppe kommen. Das Team muss sich in dieser Situation dem Einzelnen gegenüber intelligent verhalten.
Gegenseitiges Verständnis ist das A und O: Fragen Sie zu Beginn jedes Meetings die Anwesenden nach ihrem Befinden. Sagen Sie auch selbst, wie Sie sich fühlen, und geben Sie negative Gefühle zu. Leisten Sie alle emotionalen Beistand, wenn ein Einzelner frustriert ist oder sich unverstanden fühlt. Sprechen Sie je nach Gefühlslage Verständnis, Lob, Ansporn, Wertschätzung oder Mitgefühl aus.
Bei unterschiedlichen Ansichten zu einem Thema erreichen Sie besseres Verständnis, wenn Sie versuchen, die Sicht des anderen zu übernehmen. Eine Übung dazu: Veranstalten Sie ein Streitgespräch mit vertauschten Rollen. Begeben Sie sich in die Rolle des anders Denkenden und argumentieren aus seiner Sicht heraus. Der andere übernimmt Ihren Part.
Gegenseitige Rücksichtnahme erleichtert die Zusammenarbeit: Erarbeiten Sie gemeinsam Regeln, die auf gegenseitige Rücksichtnahme abzielen. Dazu gehören: Pünktlichkeit, Aussprechen lassen, keine abschätzende Kommentare, gegenseitige Hilfe usw. Hängen Sie diese „Goldenen Regeln“ für alle ersichtlich im Besprechungszimmer, im Pausenraum oder am Arbeitsplatz auf.
Fehlverhalten offen ansprechen: Fehlverhalten sollte sofort angesprochen werden. Auf kleinere „Sünden“ (z. B. einmaliges Zuspätkommen) können Sie mit Humor aufmerksam machen. Ernsthafte Kritik sollten offen, aber mit Respekt vorgebracht werden. Das schaffen Sie am besten, wenn Sie trotz aller Kritik die Leistungen des Betreffenden herausstellen.
Die Gruppenebene: Die Stimmung im Team muss passen.
Um emotionale Intelligenz auf der Gruppenebene zu fördern, brauchen Sie Verhaltensregeln, die die Selbstwahrnehmung des Teams unterstüt-zen. Stimmungen, Stärken, Schwächen oder Arbeitsprozesse gehören immer wieder auf den Prüfstand.
Kritische Selbsteinschätzung als schwierigste Aufgabe: Ideal ist die Selbsteinschätzung als fortlaufender Prozess, an dem sich alle Teammitglieder beteiligen. Die Regel dazu: Sobald jemand spürt, dass die Stimmung im Team schlecht ist, dass unproduktiv gearbeitet wird oder ähnliches, muss er die anderen darauf aufmerksam machen. Dann heißt es: Gemeinsam gegensteuern. Wenn trotzdem langfristig etwas schief läuft, engagieren Sie einen externen Trainer, der zusammen mit der Gruppe Stärken, Schwächen und Stimmungen analysieren kann.
Gemeinsam sind wir stark: Ein ausgeprägter Gemeinschaftsgeist schweißt die Gruppe zusammen und gibt ihr Motivation. Veranstalten Sie regelmäßig gemeinsame Ausflüge. Ideal sind körperliche Herausforderungen im Freien, wo sich die Mannschaft so richtig auspowern kann.
Der Frust muss raus: Eine wichtige Regel im emotional intelligenten Team lautet: Negative Gefühle zulassen, zeigen und akzeptieren. Geben Sie dem Team auch Gelegenheit dazu. Ein Beispiel: Bieten Sie in Frustsituationen eine „Klagemauer“ an. Die Gruppe kann circa zehn Minuten nach Herzenslust wüten, schimpfen und Rückschläge bejammern. Danach ist der Kopf wieder frei für produktive Schritte. Es gibt auch erfolgreiche Teams, die ihren Frust mit – normalerweise verpöntem – „Kriegsspielzeug“ abreagieren. Das Abfeuern von Weichgummigeschossen soll Wunder wirken (natürlich nur in einem abgesicherten Areal).
Die gruppenübergreifende Ebene: Außenstehende können zum Erfolg beitragen.
Auch ein sehr erfolgreiches Team darf keine kritiklose Begeisterung oder Cliquen-Verhalten aufkommen lassen. Das würde auf Dauer den Erfolg zunichte machen. Die Gefühle, Interessen und Meinungen anderer Personen oder Gruppen sind für ein emotional intelligentes Team von großer Bedeutung.
Feedback von anderen ist Gold wert: Seien Sie immer offen für Kritik und Anregungen von außen. Fördern Sie diese sogar, in Form von regelmäßigen Treffen oder Umfragen, z. B. bei Kunden, Kollegen oder Lieferanten.
Einflüsse von außen emotional einbinden: Wer die Bedürfnisse der anderen kennt, kann nach außen hin besser argumentieren, z. B. wenn es darum geht, bei der Geschäftsleitung ein bestimmten Projekt durchzusetzen. Oder wenn Sie ein neues Produkt vermarkten sollen. Bereiten Sie Ihre Argumentation, die Sie nach außen hin vertreten, gemeinsam im Team vor. Überlegen Sie vorab: Wer hat Einfluss auf unsere Arbeit? Jedes Teammitglied ist dazu aufgerufen, die Gefühle und Interessen der relevanten Personen und Gruppen zu erkunden. Das geht am besten durch aufmerksames Zuhören und Nachfragen.
Fazit: Emotionale Intelligenz macht sich auf den ersten Blick nur in feinen Unterschieden bemerkbar. Nicht die ausführliche Diskussion weist auf emotionale Teamintelligenz hin, sondern ob alle zu Wort kommen, auch der schweigsamste Kollege. Emotionale Intelligenz zeigt sich auch nicht darin, dass einer die halbe Nacht zum Wohl der Gruppe durcharbeitet. Die kollektive Anerkennung, die er dafür erhält, ist entscheidend.
Peter Caleb
Management- und Wirtschaftsberatung
Wiesenstrasse 26
53773 Hennef
Tel. 0 22 42 - 91 59 40
Fax: 0 22 42 - 91 59 41
E-Mail: info@peter-caleb.de
Internet: www.peter-caleb.de















