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Weihbischof Puff zu Gast im Sankt Augustiner Rathaus Austausch zum Thema Auswirkungen einer Kindheit in Armut
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Weihbischof Puff zu Gast im Sankt Augustiner Rathaus Austausch zum Thema Auswirkungen einer Kindheit in Armut

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Bürgermeister Klaus Schumacher begrüßte Anfang der Woche Weihbischof Ansgar Puff im Rathaus. Auf Anregung der katholischen Kirche trafen sich im Rahmen seiner Visitation im Seelsorgebereich Sankt Augustin Vertreter der Verwaltung, der katholischen Kirche und katholischer Institutionen um über Auswirkungen einer Kindheit in Armut zu sprechen. Im Vordergrund stand die Frage, „Wie können Stadt, Erzbistum und Kirche vor Ort die Lebenssituation betroffener Kinder gemeinsam verbessern?“ Vereinbart wurde, die Zusammenarbeit auch mit den anderen kirchlichen und freien Trägern weiter zu intensivieren.

9,8 Prozent der Einwohner oder 5.621 Personen in Sankt Augustin leben auf Hartz IV- bzw. Sozialhilfeniveau. Davon betroffen sind überproportional viele Kinder, nämlich jedes fünfte Kind. Kinder, die ohne Frühstück zur Schule kommen, nicht an Klassenfahrten teilnehmen, nicht die Kita besuchen, die allein aufgrund der finanziellen Situation ihrer Familie einen schlechteren Start ins Leben bekommen. Das konnten alle Teilnehmer des Treffens bestätigen. Bestehende finanzielle oder unterstützende Angebote sind nicht bekannt oder Scham und Angst hindern die Eltern Hilfe in Anspruch zu nehmen. Manchmal sind es aber auch Hürden, die besserverdienende Haushalte einfach bewältigen können, einkommensschwache aber nicht. Nicht immer kann ein Kita-Platz wohnortnah bereitgestellt werden. Hat die Familie beispielsweise kein Auto, ist die Unterbringung des Kindes in einer Kita in einem anderen Stadtteil nur schwer möglich. Und auch bei anderen Gelegenheiten fallen „Arme“ schnell durch das Netz. So wird das Kindergeld bei Sozialhilfeempfängern auf die Leistungen angerechnet, Besserverdienende erhalten dies zusätzlich.

Obwohl es viele Unterstützungsangebote gibt, zum Beispiel über das Bildungs- und Teilhabepaket, fällt es vielen Familien entweder schwer sich zu offenbaren oder die formellen Antragshürden alleine zu bewältigen. Und verzögerte Bewilligungsprozesse können finanziell von den Familien nicht aufgefangen werden. Pädagogische Fachkräfte der Schulen und Kitas schilderten, wie aufwändig eine gute Unterstützung auf Augenhöhe mit den Familien ist.

Der Sozialdienst Katholischer Frauen e.V. Bonn/Rhein-Sieg bestätigt die Berichte aus Kita- und Schulalltag. Zu ihnen kommen Familien mit unterschiedlichen Problemlagen. Ziel ist die langfristige Förderung des Familienalltags hinsichtlich der Erziehung oftmals unter schwierigen finanziellen Rahmenbedingungen.

Der Arbeit von Schulsozialarbeitern kommt in diesem Zusammenhang große Bedeutung bei. Hier wird Vertrauen aufgebaut und unmittelbare Hilfe geleistet. Bisher fördert das Land nur an zwei Schulen in Sankt Augustin dieses Angebot. Daher appellieren Stadt und Kirche auch gemeinsam an den Gesetzgeber, die Schulsozialarbeit als Aufgabe der Jugendsozialarbeit zu verankern und damit die Finanzierung unbefristet zu gewährleisten.

Als Träger von Kindertageseinrichtungen kämpfen Stadt und Kirche, genau wie die anderen Träger mit der nicht ausreichenden Finanzierung über das Kinderbildungsgesetz (Kibiz) und fordern von der Landesregierung Abhilfe.

Einig waren sich zum Schluss alle: Jeder Euro, der Kindern zugutekommt, ist eine Investition in die Zukunft. Daher wurde vereinbart, sich gemeinsam mit den anderen Trägern der Kinder- und Jugendhilfe weiter mit diesem Thema zu beschäftigen, Wege zu finden um Prozesse zu entbürokratisieren, Angebote bekannter zu machen und sich auf allen Ebenen für die Kinder einzusetzen unter dem Motto „Jedes Kind hat das Recht auf den heutigen Tag.“

Quelle: Stadt Sankt Augustin