Schüler bauen ein 20 qm großes Niedrig-Energie-Haus
Klimawandel und stetig steigende Energiepreise ärgern heutzutage nicht mehr nur den Autofahrer an der Zapfsäule sondern belasten auch private Haushalte auf zunehmend dramatische Weise.
So beträgt der Heizenergiebedarf eines Hauses rund 40 Prozent des Gesamtenergiebedarfs und trägt somit auch entscheidend zur Treibhausgasemission in Europa bei. Dabei könnten Berechnungen der Bauindustrie zufolge durch Isolierung und bessere Bautechnik in der EU jährlich bis zu 400 Millionen Tonnen des klimaschädlichen Kohlendioxids eingespart werden!
Mit der neuen Energieeinsparverordnung (EnEV 2009), die im Oktober letzten Jahres in Kraft getreten ist, fordert auch die Bundesregierung auf, erheblich energieeffizienter zu bauen als bisher, um ihre Ziele bei Energieeinsparung und Klimaschutz erreichen zu können. Hierzu ist es jedoch notwendig, dass sich alle am Bauhandwerk beteiligten Gewerke dieser Verantwortung bewusst sind und sich stetig informieren und fortbilden.
Aus diesem Grund beteiligt sich das Carl-Reuther-Berufskolleg des Rhein-Sieg-Kreises in Hennef an einem europäischen Projekt zum Klimaschutz. Einer alten Handwerkstradition folgend haben sich 12 Schüler aus Ungarn, Dänemark und Deutschland auf Wanderschaft begeben, um den eigenen Tellerrand zu überwinden und vom europäischen Nachbarn zu lernen. Nach einem jeweils zweiwöchigen Austausch in Dänemark und Ungarn wurden die Schüler nun am Carl-Reuther-Berufskolleg in die Geheimnisse der deutschen Bautechnik eingewiesen.
„Zusammen mit lokal ansässigen Handwerksbetrieben ist es uns gelungen, ein Projekt zu entwickeln, was einerseits den hohen heutigen Stand der Technik widerspiegelt und andererseits innerhalb der zeitlichen und räumlichen Grenze realisierbar war“, freut sich der Leiter des Berufskollegs Konrad Richter zum Abschluss des Projektes.
In den vergangenen zwei Wochen errichteten die Schüler in der großen Bauhalle des Carl-Reuther-Berufskollegs ein 20 Quadratmeter großes Niedrig-Energie-Haus unter Berücksichtigung neuester bauphysikalischer Erkenntnisse. Dabei haben die Schüler unter anderem gelernt, dass es trotz geringer Wandstärke von gerade einmal 16 Zentimetern möglich ist, den hohen Anforderungen der oben erwähnten neuen Energie-Einsparverordnung 2009 gerecht zu werden.
Am Ende des Projektes wurde mit Hilfe eines Differenzdruck-Messverfahrens - auch Blower-Door-Test genannt - die Luftdichtheit der Gebäudehülle gemessen, um einerseits Leckagen in der Gebäudehülle aufzuspüren und zu beseitigen und andererseits die Luftwechselrate zu bestimmen. Das Gebäude bestand den Test ohne Schwierigkeiten und somit stand dem Richtfest nichts mehr im Weg.
„Als Schulträger begrüßen wir solche Projekte, fördern sie doch den Blick über die eigenen Grenzen hinweg und die Zusammenarbeit mit anderen Nationalitäten“, sagte Johannes Gappel vom Kreisschulamt, „vor allem machen solche praxisnahen Projekte aber einfach viel mehr Spaß als das rein theoretische Lernen. Und darum geht es uns in unseren Berufskollegs: Lernen an und für die Praxis“.
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