Kirche und Kunst
Literaturwochen II und III: "I have a dream"
Wie kann die Kirche die zeitlose Botschaft von der bedingungslosen Liebe Gottes verkünden? Wie muss sie sich verändern, um glaubwürdig zu sein? Auf diese Fragen versuchte am Samstagabend Anselm Bilgri, ehemaliger Prior des Klosters Andechs und Autor des Buches "Gottesentrümpelung", zu antworten.
Struktur und Organisationsform der Kirche müssen sich am Vorbild Jesu orientieren. Wo Herrschaft und Macht ausgeübt werden, kehren die Menschen der Kirche den Rücken. Ganz im Sinne von Martin Luther Kings "I have a dream" formulierte er sein Gottesbildvorstellungen: "Vor dem bedingungslosen liebenden Gott muss man keine Angst haben. Ich träume von einem Christentum, das nicht mit Angst und Furcht verbunden wird. Für die vielfach hausgemachten Probleme wie Zölibat, Sexualmoral oder Ökumene müssen endlich kreative Lösungen gefunden werden. Nicht den erhobenen moralischen Zeigefinger, sondern die weitausgespannten, einladenden Arme solle die Kirche zeigen." Dann die Frage der Fragen aus dem Publikum: Austreten oder dabei bleiben. Bilgri: "Nein, nicht austreten - auftreten für eine Veränderung!"
Auch in der Kunst- und Ausstellungshalle wurde gelesen. Die Zuschauer staunten, als Künstler Wolfgang Henze seine Lesung mit einer Performance begann. Aus Kaffeepads, Stein und Draht - an sich tote Materie - schuf er eine außergewöhnliche Skulptur. Das sei die Aufgabe eines Künstlers, die alltägliche Welt zu verändern und Bilder entstehen zu lassen. Gleiches gelte auch für seine Geschichten und seine Gedichte, die von Bildern leben. Anrührend seine Erzählung über den Musiker Vedran Smailovic, der jeden Tag aufs Neue seinen Anzug mit weiß gestärktem Hemd anzog und auf den Straßen von Sarajevo auf seinem Cello spielte, auch an gefährlichen Orten, um die Menschen zu einem Lächeln zu bewegen. Karl-Heinz Löbach, Hausherr der Kunsthalle, begleitete die Texte und philosophischen Reflektionen auf dem Flügel.
Min: 11 °C

morgen

übermorgen











