Hauptschule bietet Elternschaft auf Probe
Babys sind süß, da sind sich wohl alle einig – doch erst wenn die kleinen Wonneproppen auf der Welt sind, geht die Arbeit richtig los. Das lernen jetzt auch die Schülerinnen und Schüler der Gemeinschaftshauptschule Hennef. Dafür hat die Schule einen sogenannten Säuglingssimulator angeschafft – eine elektronische Babypuppe, die so groß und schwer ist wie ein echtes Baby und die sich wie ein Neugeborenes verhält. Sie muss gewickelt und gefüttert werden, weint, braucht Schlaf und Nähe.
„Viele der Jugendlichen, mit denen ich arbeite, können sich vorstellen, später einmal Kinder zu haben“, sagt die Sozialpädagogin der Schule, Jovana Mark, die das Projekt betreut. „Dabei vergessen sie aber manchmal, dass man sich rund um die Uhr um das Kind kümmern und viel Verantwortung übernehmen muss. Das möchte ich ihnen vermitteln.“ Zunächst wird die Puppe an Schülerinnen vergeben, die explizit Interesse bekunden. Es sei aber auch denkbar, dass ein Junge und ein Mädchen aus einer Klasse sich gemeinsam um sie kümmern. Dabei weiß das Baby jederzeit, ob sich seine Mama oder sein Papa in der Nähe befinden: Die Jugendlichen müssen während des Projekts ein Armband mit einem integrierten Chip tragen. Die Puppe registriert, wenn sich der Chip und damit ein Elternteil von ihr entfernt.
Das „Elternpraktikum“, das die ausgewählten Schülerinnen und Schüler absolvieren, dauert in der Regel eine Woche. Während dieser Zeit müssen sie sich 24 Stunden täglich um ihr Kleines kümmern, auch nachts. Wie im echten Leben können sie sich vorher nicht aussuchen, ob sie ein ruhiges oder ein oft weinendes Neugeborenes bekommen. Mit Hilfe von 15 verschiedenen Voreinstellungen kann die Puppe ganz unterschiedliche Babys simulieren. Der eingebaute Computer zeichnet jede Versorgung und jede Vernachlässigung oder schlechte Behandlung des Babys auf. „Das macht die Betreuung der Jugendlichen einfacher. Ich kann ihren Umgang mit dem Baby nachvollziehen und mit ihnen darüber sprechen“, sagt Sozialpädagogin Jovana Mark.
Zukünftig sollen auch die Lehrerinnen und Lehrer der Gemeinschaftshauptschule die Babypuppen fächerübergreifend einsetzen.
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