"Emma" will Fleischhauer
Literaturwochen I: Überraschendes Engagement eines Konvertiten
Eine einfache Rechnung wurde im Hause Fleischhauer aufgemacht: Schwarz ist böse, Rot ist gut. Der Dämon lauert in Person von Strauß und Kohl, Willi Brandt war der edle Rächer der Enterbten. Damit steckte SPIEGEL-Reporter Jan Fleischhauer den Rahmen für einen amüsanten und informativen Leseabend im Stadtmuseum ab.
Fleischhauer ist politischer Konvertit, der Buchtitel gibt es vor: "Unter Linken. Von einem, der aus Versehen konservativ wurde." Sein Leidensweg entbehrt nicht einer gewissen Komik. Bei jedem Einkauf im Supermarkt ging es für die Mutter um die moralische Qualität der Waren. Alle USA-Produkte wurden gemieden, auch Zitrusfrüchte aus dem Spanien Francos waren tabu. In einem Filmausschnitt zeigte der Autor sein Interview mit Hans Christian Ströbele, der die Produkte der Fastfood-Kette McDonalds als nicht gesundheitsfördernd einstuft und einen großen Bogen um das Restaurant macht. An der nächsten deutschen Imbissbude kam ihm die Schale Pommes mit Mayonnaise allerdings nicht bedenklich vor... Frauen, Minderheiten, Humor - überall dort versteckt sich das linksintellektuelle Gutmenschentum, gegen das Fleischhauer mit spitzer Feder anschreibt. Mit scharfer Intelligenz, immer vergnüglich. Auf die Frage einer Zuhörerin, ob ihn seine Mutter nach Erscheinen des Buches enterbt hätte, antwortete Fleischhauer cool: "Sie hat es mit großer Gelassenheit ertragen." Am Ende standen Plausch und Fototermin mit Vizebürgermeisterin Dr. Susanne Haase-Mühlbauer (Foto) auf dem Programm. Gesprächsthema: 40 Jahre Frauenbewegung. Dazu veröffentlicht Fleischhauer demnächst einen Artikel - in Alice Schwarzers "Emma"!
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